Raus aus meiner Haut

Wie oft habe ich das schon gesagt?
“Ich kann einfach nicht raus aus meiner Haut.
Ich bin wie ich bin und wer mich nicht mag, solls einfach lassen!“

Doch wie soll ich selbst es lassen?
Ich mag mich nicht & ich will raus aus meiner Haut.

Weil ich nicht schwimmen gehe,
obwohl ich weiß, dass es sehr gut für mich ist.

Weil ich Süßigkeiten esse,
obwohl ich weiß, dass es nicht gut für mich ist.

Weil ich Kontakt zu anderen Menschen scheue,
obwohl ich nicht alleine sein will.

Weil mein Körper schmerzhafte Arthrosen und
Lymphödeme produziert.

Weil ich glaube im Job besser zu sein,
als ich es tatsächlich bin.

Weil es mich nervt,
dass ich die guten Phasen nicht halten kann.

Weil es mich nervt,
dass ich anderen mit meinem hin und her auf die Nerven gehe.

Weil ich mich für besonders betroffen,
besonders geschädigt halte.

Weil ich glaube, dass jemand anderes etwas an mir
gut machen muss.

Weil mir Anerkennung von anderen wichtiger ist,
als der Stolz auf mich selbst.

Weil leiden einfach ist und
Leichtigkeit mit Freude mir Angst macht.

Weil es anstrengend ist mich immer wieder
mit mir selbst auseinanderzusetzen.

Ich will raus aus meiner Haut & weiß nicht wohin mit mir.

 

 

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Qualitätszeit – ein innerer Dialog

„Was soll das? Warum fahren wir nicht nach Bremen zum Workshop? Ich habe mich so drauf gefreut. Endlich wieder mit vielen anderen laut Trommeln und im Rhythmus schwelgen. In meiner Kraft sein und tun was ich kann. Warum darf ich nicht tun, was ich kann? Das ist total gemein!!“, schreit das innere Kind, stampft wütend mit den Füssen und hämmert mit kleinen Händchen gegen die Wand.

„Unser Körper kann nicht mehr. Wir müssen ihm Ruhe gönnen. Damit das Immunsystem wieder normal arbeiten kann.“, versucht die Vernunft die Situation zu erklären.

„Aha… und das hast du einfach so entschieden?“, entgegnet das Kind immer noch völlig aufgebracht. „Und was habe ich davon? Wir wollten doch wieder lebendiger sein und Dinge tun, die Spaß machen. Zuhause rumhängen macht keinen Spaß.“, heult es wieder los.

„Wir haben es mal wieder übertrieben“, schaltet sich der Kritiker ein. „Wir haben es mal wieder nicht mitbekommen, als es rechtzeitig gewesen wäre, einen Gang runter zu schalten.“

Die Vernunft schaut ihn ruhig an: „Wann soll das denn gewesen sein? Hast du ein Signal gegeben, oder dich heimlich gefreut, dass wir über die Grenze geschossen sind?“

Stolz mit einem Hauch Scham schaut der Kritiker ihr mit festem Blick in die Augen: „Erinnerst du dich Anfang Oktober an die Situation, als im Zug die innere Stimme ganz laut ES IST ZU VIEL… ES IST ZU VIEL gerufen hat. Fast hättest du es geschafft, dass wir kürzergetreten hätten.“

„Ja, ich erinnere mich“, nickt die Vernunft, „Doch ich erinnere mich nicht mehr daran, was dann passiert ist.“

„Durch ein paar kleine Einflüsterungen wie z.B. „Du hast es nur noch nicht verstanden, wie du dich besser organisieren kannst“ und auch „Los jetzt, beweise deinem neuen Chef, dass du gut genug bist.“ war der Impuls der Selbstreflektion ganz schnell weggezaubert.“, grinst der Kritiker.

Langsam hebt die Göttin die Hand, nimmt das immer noch schmollende Kind auf den Schoß und schaut von einem zum anderen. Von der Vernunft zum Kritiker und wieder zurück. Langsam und eindringlich.

„Ihr lieben, ihr alle. Lasst uns gemeinsam schauen, wie wir wieder zu Kräften kommen. Wie wir gemeinsam dafür sorgen können, dass unser Körper den Infekt gut verkraften kann.“

„Lasst uns ein Kuschelwochenende machen. Lange schlafen, viel lesen, baden, malen und einfach nahe beieinander sein.
Mein Kind, hol deine Lieblingsbücher und deine Malhefte.
Kritiker, pass auf, dass uns keiner stört und das keiner mitbekommt, was wir hier tun. Vernunft, achte auf den Körper und seine Signale.“

„Nehmen wir uns Zeit – Qualitätszeit – nur für uns.“

Von der Suche

Hawaii, in etwas mehr als fünf Wochen hebt er ab.
Der Flieger in Richtung Sehnsuchtsreise.

„Du freust dich gar nicht! Was ist anders, als bei den früheren Reisen?“, fragt gestern eine Freundin beim Abendessen im Restaurant.

Sie hört die Frage und findet keine angemessene Antwort:
„Ich weiß es nicht“, antwortet sie schon mal um Zeit zu gewinnen.
„Weil ich mich mitnehme und es völlig egal ist, wo ich bin“, sagt sie ganz leise, nach ein paar Minuten der Stille.

Die Freundin drückt sanft ihre Hand. „Was ist los? Was beschäftigt dich?“

Und wieder starrt sie schweigend auf die Lichter der Weihnachtsdekoration.

„Es gibt Zeichen“, flüstert sie. „Ich weiß ja, dass man immer genau das sieht, was gerade die Aufmerksamkeit hat. Ich habe Angst, dass irgendwas nicht stimmt. Das er wieder das ist. Und ich sehe jede Menge Zeichen, die das bestätigen.“

„Du warst doch gerade erst bei allen Vorsorgeuntersuchungen, oder?“

„Na ja, schon. Nicht so richtig. Ich sollte noch mal zur Kontrolle…. Vor 4 Wochen… hab keinen Termin gemacht. Sie schluckt und sagt mir fester Stimme: „Ich will es nicht wissen!! Was mache ich denn mit der Gewissheit? Wenn alles in Ordnung ist, bleibt die Angst. Wenn nichts in Ordnung ist, muss ich wieder Entscheidungen treffen, mit denen ich mich nicht beschäftigen will.“

Die Freundin schaut sie lange und liebevoll an.

„Ist es eine gute Lösung, die Angst zu verdrängen und damit auch von allen schönen Emotionen abgeschnitten zu sein?
Von der Vorfreude auf Hawaii – deiner Sehnsuchtsreise.
Von dem Aufgehoben sein, bei deiner Schwester an Weihnachten.
Von der Inspiration mit deinem neuen Team etwas Neues entstehen zu lassen.“

„Du hast diese Fähigkeit, völlig sachlich zu funktionieren. Deiner Umgebung eine Fassade zu zeigen, die sogar bis zu einer gewissen Ebene emotional ist. Eine sehr wichtige Fähigkeit, die dich hat überleben lassen. Es dir möglich gemacht hat einfach durch die Behandlungen durchzugehen und die dir bei all den Bedingungen geholfen hat, nicht durchzudrehen.“

Die Freundin drückt ihre Hand ein wenig fester und schaut ihr tief in die Augen.

„Doch ist die Fähigkeit im Moment angemessen? Den Preis den sie fordert, um die Angst nicht zu fühlen?“

„Ich weiß es nicht“ flüstert sie.

Dem Eindruck einen Ausdruck geben

Dieser Satz ist hängen geblieben.

Nicht wie vergessen an einem Kleiderhaken,
sondern wie verankert in meinen Gedanken.

Dem Eindruck einen Ausdruck geben.
Wie schön das klingt, so heilsam, so gehaltvoll.

Wie eine Möglichkeit, einen Schmerz anzunehmen
und ihn wieder abzugeben.

Wie eine Chance, ein Sekundenglück,
das schnell wieder gehen will, durch Teilen zu vergrößern
und es einen winzigen Moment länger zu halten.

Wie ein Geschenk, weil eine Begegnung durch das Niederschreiben haltbarer wird.

Dem Eindruck einen Ausdruck geben.
Damit etwas bleibt, von dem was beeindruckt.

10 Minuten zwischen Traum und Realität

Noch mal einkuscheln, versuchen die schönen Gefühle aus dem Traum noch mal einzufangen, den Bildern nachspüren, die eben noch völlig real waren.

Aber auch, bewusst werden, dass es das sichere eigene Bett ist, das sich um einen schmiegt, dass es keine Katastrophe gibt, die Entscheidungen und Handeln fordert.

10 Minuten zwischen erstem und zweitem Wecker klingeln sind ein Umkleidezimmer im Übergang von Traum zur Realität.

Manchmal ist es einfach gut den Traum eng an sich zu halten und die Realität überzuziehen.

Manchmal ist es gut, den Traum im Traum frei zu geben und sich für die Realität frisch und neu einzukleiden.

Und Ja zu sagen, zum neuen Tag.

Entscheidung am Morgen

Sonntag – heute ist Sonntag und ich habe Halsschmerzen. Was ist es, was gesagt, aufgeschrieben werden will?

Wieder einmal wache ich mit schweren Gedanken auf. Traurig, Hoffnungslos.

Das Feuer brennt noch nicht und wartet nun darauf wieder angezündet zu werden. Was wäre wohl, wenn es nicht entzündet wird. Entzündet es sich von ganz alleine oder muss ich aktiv etwas dazu beitragen? Reicht körperliche Bewegung – einfach aufstehen und ins Bad gehen, damit ein Funke entsteht. Oder braucht es positive Gedanken,  damit die Nebel verschwinden? Doch was wäre, wenn es nicht entzündet wird? Kann ich diese Schwere den ganzen Tag tragen? Würde es mich niederdrücken, bis ich den Kopf nicht mehr oben halten kann?

Irgendwie ist es beruhigend zu wissen, dass ich Methoden und Techniken habe, um das Feuer zu entzünden und die Schwere gehen zu lassen.

Doch was steht drin in der Schwere? Was bringen sie mit, die Traurigkeit und die Hoffnungslosigkeit? Im Moment ist es das Gefühl von endloser Last. Zu Leben ist eine Belastung, die noch unendlich lange dauert. Wie lange noch – jeden Tag aufstehen, mit Dingen beschäftigen, die belastend sind und keine Freude bringen, Ernährung die belastet und nicht nährt, alleine sein und nicht gehalten werden.

Guten Morgen Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Ihr seit da, weil ihr zu mir gehört. Jeden Morgen fühle ich euch. Ich lasse euch da sein, folge dem was ihr mitbringt. Spüre hinein. Manchmal klärt sich der Nebel und ich erkenne die Botschaft die ihr mitbringt. Manchmal löst ihr euch einfach wieder auf, nachdem ich euch wahrgenommen habe.

Ich will euch weiter anschauen und mit euch umgehen.

Euch zu folgen und den Weg abzukürzen ist keine Option. Jetzt stehe ich auf uns entzünde das Feuer in mir. Für einen guten Tag.

 

Midlife-Crisis oder was ist das?

Wo ist sie hin, die ganze Energie? Die Neugierde auf was Neues. Die Schaffenskraft, um Ideen und Visionen umzusetzen. Die Lust auf die Aufregung, ob ein Plan aufgeht oder das Experiment scheitert.  Wo ist sie hin? Ist sie verbraucht? Jetzt schon? Mit Anfang 50?

Manche sagen, das ist normal und es ist das Tal, durch das jeder irgendwann mal durchmuss. Der Übergang von einer Lebensphase in die nächste. Ist das ein natürlicher Rhythmus? Und wenn ja, wie lange dauert so ein Übergang?

Ist es normal tief im Herzen eine tiefe Traurigkeit zu spüren? Geht es um das Loslassen von Träumen und Lebenszielen, die sich auf Grund des Alters nicht mehr erfüllen lassen? Um das letzte und end-endgültige akzeptieren, dass es keine eigenen Kinder für mich geben wird? Das ich nicht mehr gemeinsam mit einem Mann eine Familie plane, Kinder aufwachsen sehe, die ich von ganzem Herzen liebe?

Geht es um ein neues Selbstverständnis? Selbstliebe? Sich selbst annehmen und lieben mit all den Narben, dem Wissen um Sterblichkeit und dem Bedürfnis nach Ruhe und Entschleunigung?

Wie soll es sein, wenn das Tal der Midlife Crisis durchschritten ist? Woran merke ich, dass ich in einer neuen Lebensphase angekommen und der Übergang abgeschlossen ist?

Habe ich dann wieder Lust…. , wieder Kraft…., wieder Energie….  ???