Von der Suche

Hawaii, in etwas mehr als fünf Wochen hebt er ab.
Der Flieger in Richtung Sehnsuchtsreise.

„Du freust dich gar nicht! Was ist anders, als bei den früheren Reisen?“, fragt gestern eine Freundin beim Abendessen im Restaurant.

Sie hört die Frage und findet keine angemessene Antwort:
„Ich weiß es nicht“, antwortet sie schon mal um Zeit zu gewinnen.
„Weil ich mich mitnehme und es völlig egal ist, wo ich bin“, sagt sie ganz leise, nach ein paar Minuten der Stille.

Die Freundin drückt sanft ihre Hand. „Was ist los? Was beschäftigt dich?“

Und wieder starrt sie schweigend auf die Lichter der Weihnachtsdekoration.

„Es gibt Zeichen“, flüstert sie. „Ich weiß ja, dass man immer genau das sieht, was gerade die Aufmerksamkeit hat. Ich habe Angst, dass irgendwas nicht stimmt. Das er wieder das ist. Und ich sehe jede Menge Zeichen, die das bestätigen.“

„Du warst doch gerade erst bei allen Vorsorgeuntersuchungen, oder?“

„Na ja, schon. Nicht so richtig. Ich sollte noch mal zur Kontrolle…. Vor 4 Wochen… hab keinen Termin gemacht. Sie schluckt und sagt mir fester Stimme: „Ich will es nicht wissen!! Was mache ich denn mit der Gewissheit? Wenn alles in Ordnung ist, bleibt die Angst. Wenn nichts in Ordnung ist, muss ich wieder Entscheidungen treffen, mit denen ich mich nicht beschäftigen will.“

Die Freundin schaut sie lange und liebevoll an.

„Ist es eine gute Lösung, die Angst zu verdrängen und damit auch von allen schönen Emotionen abgeschnitten zu sein?
Von der Vorfreude auf Hawaii – deiner Sehnsuchtsreise.
Von dem Aufgehoben sein, bei deiner Schwester an Weihnachten.
Von der Inspiration mit deinem neuen Team etwas Neues entstehen zu lassen.“

„Du hast diese Fähigkeit, völlig sachlich zu funktionieren. Deiner Umgebung eine Fassade zu zeigen, die sogar bis zu einer gewissen Ebene emotional ist. Eine sehr wichtige Fähigkeit, die dich hat überleben lassen. Es dir möglich gemacht hat einfach durch die Behandlungen durchzugehen und die dir bei all den Bedingungen geholfen hat, nicht durchzudrehen.“

Die Freundin drückt ihre Hand ein wenig fester und schaut ihr tief in die Augen.

„Doch ist die Fähigkeit im Moment angemessen? Den Preis den sie fordert, um die Angst nicht zu fühlen?“

„Ich weiß es nicht“ flüstert sie.

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Dem Eindruck einen Ausdruck geben

Dieser Satz ist hängen geblieben.

Nicht wie vergessen an einem Kleiderhaken,
sondern wie verankert in meinen Gedanken.

Dem Eindruck einen Ausdruck geben.
Wie schön das klingt, so heilsam, so gehaltvoll.

Wie eine Möglichkeit, einen Schmerz anzunehmen
und ihn wieder abzugeben.

Wie eine Chance, ein Sekundenglück,
das schnell wieder gehen will, durch Teilen zu vergrößern
und es einen winzigen Moment länger zu halten.

Wie ein Geschenk, weil eine Begegnung durch das Niederschreiben haltbarer wird.

Dem Eindruck einen Ausdruck geben.
Damit etwas bleibt, von dem was beeindruckt.

10 Minuten zwischen Traum und Realität

Noch mal einkuscheln, versuchen die schönen Gefühle aus dem Traum noch mal einzufangen, den Bildern nachspüren, die eben noch völlig real waren.

Aber auch, bewusst werden, dass es das sichere eigene Bett ist, das sich um einen schmiegt, dass es keine Katastrophe gibt, die Entscheidungen und Handeln fordert.

10 Minuten zwischen erstem und zweitem Wecker klingeln sind ein Umkleidezimmer im Übergang von Traum zur Realität.

Manchmal ist es einfach gut den Traum eng an sich zu halten und die Realität überzuziehen.

Manchmal ist es gut, den Traum im Traum frei zu geben und sich für die Realität frisch und neu einzukleiden.

Und Ja zu sagen, zum neuen Tag.

Entscheidung am Morgen

Sonntag – heute ist Sonntag und ich habe Halsschmerzen. Was ist es, was gesagt, aufgeschrieben werden will?

Wieder einmal wache ich mit schweren Gedanken auf. Traurig, Hoffnungslos.

Das Feuer brennt noch nicht und wartet nun darauf wieder angezündet zu werden. Was wäre wohl, wenn es nicht entzündet wird. Entzündet es sich von ganz alleine oder muss ich aktiv etwas dazu beitragen? Reicht körperliche Bewegung – einfach aufstehen und ins Bad gehen, damit ein Funke entsteht. Oder braucht es positive Gedanken,  damit die Nebel verschwinden? Doch was wäre, wenn es nicht entzündet wird? Kann ich diese Schwere den ganzen Tag tragen? Würde es mich niederdrücken, bis ich den Kopf nicht mehr oben halten kann?

Irgendwie ist es beruhigend zu wissen, dass ich Methoden und Techniken habe, um das Feuer zu entzünden und die Schwere gehen zu lassen.

Doch was steht drin in der Schwere? Was bringen sie mit, die Traurigkeit und die Hoffnungslosigkeit? Im Moment ist es das Gefühl von endloser Last. Zu Leben ist eine Belastung, die noch unendlich lange dauert. Wie lange noch – jeden Tag aufstehen, mit Dingen beschäftigen, die belastend sind und keine Freude bringen, Ernährung die belastet und nicht nährt, alleine sein und nicht gehalten werden.

Guten Morgen Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Ihr seit da, weil ihr zu mir gehört. Jeden Morgen fühle ich euch. Ich lasse euch da sein, folge dem was ihr mitbringt. Spüre hinein. Manchmal klärt sich der Nebel und ich erkenne die Botschaft die ihr mitbringt. Manchmal löst ihr euch einfach wieder auf, nachdem ich euch wahrgenommen habe.

Ich will euch weiter anschauen und mit euch umgehen.

Euch zu folgen und den Weg abzukürzen ist keine Option. Jetzt stehe ich auf uns entzünde das Feuer in mir. Für einen guten Tag.

 

Midlife-Crisis oder was ist das?

Wo ist sie hin, die ganze Energie? Die Neugierde auf was Neues. Die Schaffenskraft, um Ideen und Visionen umzusetzen. Die Lust auf die Aufregung, ob ein Plan aufgeht oder das Experiment scheitert.  Wo ist sie hin? Ist sie verbraucht? Jetzt schon? Mit Anfang 50?

Manche sagen, das ist normal und es ist das Tal, durch das jeder irgendwann mal durchmuss. Der Übergang von einer Lebensphase in die nächste. Ist das ein natürlicher Rhythmus? Und wenn ja, wie lange dauert so ein Übergang?

Ist es normal tief im Herzen eine tiefe Traurigkeit zu spüren? Geht es um das Loslassen von Träumen und Lebenszielen, die sich auf Grund des Alters nicht mehr erfüllen lassen? Um das letzte und end-endgültige akzeptieren, dass es keine eigenen Kinder für mich geben wird? Das ich nicht mehr gemeinsam mit einem Mann eine Familie plane, Kinder aufwachsen sehe, die ich von ganzem Herzen liebe?

Geht es um ein neues Selbstverständnis? Selbstliebe? Sich selbst annehmen und lieben mit all den Narben, dem Wissen um Sterblichkeit und dem Bedürfnis nach Ruhe und Entschleunigung?

Wie soll es sein, wenn das Tal der Midlife Crisis durchschritten ist? Woran merke ich, dass ich in einer neuen Lebensphase angekommen und der Übergang abgeschlossen ist?

Habe ich dann wieder Lust…. , wieder Kraft…., wieder Energie….  ???

Außenseiter, Randgruppe oder doch ganz normal?

Gestern war ich bei einem Seminar mit dem Titel: „Hochsensibilität – die Gabe des feinfühligen Menschen“ und habe eine, von vielleicht vielen Antworten auf diese Frage gefunden.

Als wir uns über die belegten Wahrnehmungen der hohen Reizempfindsamkeit der 5 Sinne ausgetauscht haben, gab es sehr oft ein gemeinsames Nicken und das totale Gefühl von „Wir sind alle gleich“.

Aber schon im Austausch darüber, welche Auswirkungen diese Reizempfindlichkeit hat wurde klar, dass es ganz große Unterschiede gibt. Ganz große Unterschiede in der Interpretation und Bewertung der Auswirkung. Was für den einen ein großes Glück – ist für den anderen Überforderung.

Sehe ich diese hohe Empfindsamkeit als Gabe oder als Bürde. Bin ich Beschenkte oder Opfer? In diesem Punkt sind doch irgendwie alle Menschen gleich. In der bewussten oder unbewusst selbstbestimmten Entscheidung, ob sie sich auf der Seite der Beschenkten oder auf der Seite der Opfer sehen. Irgendwie hat jeder Mensch Herausforderungen in seinem Leben.

Vielleicht ist diese Herausforderung das Gegenstück zu Selbstzufriedenheit auf der Medaille „Umgang mit mir“. Und vielleicht ist der Auseinandersetzungszwang mit diesen Gegenstücken eine Auswirkung der hohen Empfindsamkeit.  Lass ich mich steuern von dem Wunsch nach Anpassung an die „normal Empfindlichen“ oder von dem Wunsch nach Selbstbestimmtheit und Freiheit?

Die Essenz des Seminars und die eine Antwort, die ich da für mich gefunden habe ist, dass ich andere ebenfalls sehr sensible Menschen bereits um mich habe. Und das ich mich auf das Geschenk der Sensibilität verlassen kann, wenn es um mein Umfeld geht. Es gibt Menschen, die ich aktiv in aller Wertschätzung in der Distanz halte, vielleicht weil ihr Umgang mit ihrer Sensibilität der meinigen widerspricht.

Mir ist noch mal bewusstgeworden, dass die Akzeptanz der Unterschiedlichkeit meine innere Stabilität fördert. Jeder Jeck is anders – und das gilt eben auch für Hochsensible Menschen.

 

 

PS: Weil mich die Seminarleiterin sehr beeindruck hat, möchte ich hier ihre Homepage posten. Für mich war es ein Geschenk, weil sie – selber gesegnet mit der Gabe der Feinfühligkeit – den Mut hat, diesem Thema einen offen Raum zu geben, in dem selbst ich mich getraut habe, echten Kontakt zuzulassen.  https://www.youcoaching.de/

Verdammte Traurigkeit

Seit wann ist das eigentlich so? War ich schon immer eher ein trauriger Typ? Es gibt ja Menschen, denen man ein sonniges Gemüt zuspricht. So gibt es auch Menschen, denen man ein Regenwetter-Gemüt zuschreibt. Hm… Schon lange ist es mir nicht mehr so sehr aufgefallen wie heute Morgen.

Dabei habe ich doch allen Grund breit grinsend durch die Gegend zu laufen.

Meine aktuelle Nachuntersuchungsreihe ist o.B abgeschlossen. Das war doch noch mal ganz schön aufregend. Zum Abschluss macht meine Hausärztin einen Organ Ultraschall um auszuschließen, dass sich dort etwas entwickelt. Auch wenn ich das Prozedere schon gut kenne, versuche ich jede Regung in ihrem Gesicht zu deuten. Mein Magen zieht sich im gleichen Rhythmus zusammen, in dem sie ihre Augenbrauen zusammenzieht. Mein Herz setzt sofort für ein bis zwei Schläge aus, wenn ihre Augen an einem Punkt hängen bleiben. Das ist anstrengender als eine Stunde Joggen.

Ich kann mich beruflich mit tollen Dingen beschäftigen und habe sehr wenige Punkte, die dort auf der Minusseite stehen. Jetzt gerade habe ich wieder ein Projekt bekommen, das sehr spannend, inspirierend und abwechslungsreich ist. Gerade so, wie ich es liebe.

Und gestern habe ich Brasilien gebucht. Am 5. Januar geht es los. 3 Wochen, Samba, hören und spielen, Sonne, Strand und ganz bestimmt eine ganz tolle Truppe.

Woran also liegt es, dass ich traurig bin? Ist es einfach so, weil es so ist? Weil ich so ticke? Weil ich ein Regenwettertyp bin? Oder ist es vielleicht doch die Angst, dass ich morgen wieder im Chaos sein kann und sich freuen nicht lohnt………

 

Schutz oder Gefängniss
Schutz oder Gefängniss